Der dritte Anlass der Vortrags-Jubiläumsreihe ist dem Thema "Demenz" gewidmet. Den zahlreich erschienen Zuhörern wird die Vielschichtigkeit im Umgang mit dementen Menschen und Angehörigen aufgezeigt.
Dr. phil., Betr. oec. Sandra Oppikofer vom Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich referiert zum Thema "An Demenz erkrankt und trotzdem glücklich?" Von den über 90'000 Demenzkranken in der Schweiz leben nur ca. 40 % in Heimen. 59'000 Kranke können mit Unterstützung zu Hause wohnen. Die Lebensqualität der Demenzkranken ist geprägt vom Lebensalter und seinen Umständen und ist konstanten Veränderungen unterworfen. (Gesundheit, Verhaltenskompetenz, Umwelt, Individualität) Die Bewertung und der Umgang mit Veränderungen ist individuell. Wichtig ist die Förderung und Aufrechterhaltung der Lebensqualität durch individuelle Beratung Angehöriger und Betroffener. Der Fokus ist auf Kompetenzen und nicht Defizite der Kranken zu legen und vorteilhaft sind Gedächtnis- und Fitnesstrainings. Es sind emotional positive Alltagssituationen zu fördern und negativ erlebte Alltagssituationen zu vermeiden, so spricht Frau Dr. Oppikofer in Ihrem Referat.
Prof. Dr.med. Ingo Füsgen, Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Witten-Herdecke, Wuppertal und ärztlicher Direktor der geriatrischen Kliniken St. Antonius, Wuppertal sprach über "Tabuthemen in der Demenzbetreuung".
Nach der Erläuterung des Ziels der Demenztherapie sowie der Funktionsdefizite spricht Prof. Füsgen über absolute Tabuthemen wie Sehen und Hören, Zahnstatus, Schluckstörungen, Opstipation, Multimedikation und den Sterbevorgang bei Demenzkranken. Anhand von Beispielen aus der Praxis zeigt er auf, wie schwierig Behandlungen Demenzkranker sind, wenn bei ihnen eine weitere Krankheit diagnostiziert wird. Zusammenfassend weist Prof. Füsgen für die Pflege auf folgende Punkte hin: Tabuthemen aufgreifen, soweit möglich Abklärung im Team (Arzt, Therapie, Angehörige) durchführen, antidementive Therapie, Beachtung der Multimorbidität und Medikamente, Zielvorstellungen individuell setzen.
Im anschliessenden Podiumsgespräch leitet Dr. Ueli Heiniger die Diskussion über dieses vielfältige Thema zwischen den beiden Referenten sowie Prof. Dr. Wilhelm Frieling-Sonnenberg, Gerontologe und Gesundheitswissenschaftler, FH Nordhausen, Frau Prof. Gabriele Stoppe, ärztl. Leiterin des Bereichs allgemeine Psychiatrie, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel und Marius Muff, Leiter Betriebsmanagement SPITEX BERN.
Ein Gedankenaustausch mit den Referenten und den Zuhörern sowie mit Vertretern von verschiedenen Institutionen konnte beim anschliessenden Apéro stattfinden.
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